Retro-Radio, Messen und Testen     

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Foto von M. Blümlein

 
Wenn etwas nicht funktioniert wie geplant, muss man den Fehler suchen. Am besten geht das mit Messgeräten. Gut geeignet ist ein Digitalvoltmeter, noch besser geht es mit einem Oszilloskop.

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In den Schaltplan wurden zehn Messpunkte eingetragen. Alle beziehen sich auf eine Spannungsmessung gegen den Minuspol der Batterie (Masse). Gemessen wurde mit einem einfachen Digitalmultimeter mit 10 MOhm Innenwiderstand. Das nächste Bild zeigt die Messpunkte im Aufbauplan.

 

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Wenn alles richtig funktioniert ergeben sich die folgenden Spannungen. Gemessen wurde ohne Empfang, also auf einer leeren Frequenz, und zwar einmal mit voller Lautstärke und einmal mit minimaler Lautstärke. Wenn Ihr Gerät ähnliche Spannungen zeigt, ist alles in Ordnung. Abweichungen bis 0,2 V sind normal. Aber wenn Messwerte ganz aus dem Rahmen fallen, können sie helfen, einen Fehler einzukreisen. Man findet auf diese Weise Unterbrechungen oder falsche Verbindungen, z.B. durch Lötzinnbrücken.

Messung 1: Dreko ganz nach rechts (> 1,6 MHz, kein Sender), Poti maximale Lautstärke
1 TA7642 Eingang 1,1 V
2 Spule 1,1 V
3 Betriebsspannung 1,45 V
4 TA7642 Ausgang 1,2 V
5 Basisspannung 1,2 V
6 Emitterspannung 0,45 V
7 Messgerät Pluspol 0,36 V
8 Kollektorspannung 1,1 V
9 Betriebsspannung 1,5 V
10 Batteriespannung 1,5 V

 Messung 2: Dreko ganz nach rechts (> 1,6 MHz, kein Sender), Poti minimale Lautstärke
1 TA7642 Eingang 1,1 V
2 Spule 1,1 V
3 Betriebsspannung 1,45 V
4 TA7642 Ausgang 1,2 V
5 Basisspannung 0,9 V
6 Emitterspannung 0,2V
7 Messgerät Pluspol 0,15 V
8 Kollektorspannung 1,3 V
9 Betriebsspannung 1,5 V
10 Batteriespannung 1,5 V 


Was ist wenn ...
Inzwischen sind schon viele Rückmeldungen gekommen, dass das Radio erfolgreich aufgebaut wurde. In einigen Fällen haben die bisherigen Beschreibungen geholfen, einen Fehler zu beheben. Aber es bleiben noch einige Radio, die wollen einfach nicht funktionieren. Und Fehlersuche ist generell nicht einfach, vor allem wenn man noch nicht viel mit Elektronik zu tun hatte. Aber auch erfahrene Elektroniker können manchmal über Fehler stolpern, die sie einfach nicht entdecken. Am schlimmsten sind Mehrfachfehler. Da kann man stundenlang suchen und sich im Kreis drehen.

 Das Ziel ist, dass jeder Bausatz irgendwann erfolgreich aufgebaut ist. Deshalb nun ein anderer Weg: Es wurden absichtlich Fehler eingebaut um zu sehen, was dann passiert. Ich habe versucht alle Fehler zu bauen, die möglich sind, aber wahrscheinlich habe ich noch viele übersehen. Vor allen die Zahl der möglichen Kombinationen verschiedener Fehler ist fast unendlich. Übrigens, keiner der folgenden Fehler hat ein Bauteil zerstört. Das Radio konnte jedes Mal wieder in Gang gesetzt werden.

 Fehler 1: TA7642 wurde verdreht eingebaut.
Die Spannung am Ausgang und am Eingang beträgt jetzt nur noch 0,6 V. Deshalb wird der NF-Transistor nicht mehr ausgesteuert. Keine Funktion, das eingebaute Messgerät zeigt Null!

 Fehler 2: Der Transistor BC547B und das IC TA7642 wurden vertauscht. Das Radio bleibt still. Die Empfängerstufe kann zwar im Prinzip sogar mit dem Transistor schwach funktionieren. Aber die „Endstufe" versagt kläglich. Es fließt immer der gleiche Strom, das Messgerät zeigt Stufe 5.

 Fehler 3: Pin1 und Pin2 am TA7642 durch Lötzinnbrücke verbunden: Der Eingang ist kurzgeschlossen, die Ausgangsspannung (Messpunkt 4) steigt an auf 1,25 V, das Messgerät zeigt Stufe 8.

 Fehler 4: Pin2 und Pin3 am TA7642 durch Lötbrücke verbunden: Ausgang und Eingang sind verbunden. Die Ausgangsspannung (Messpunkt 4) sinkt auf 0,95 V, das Messgerät zeigt Stufe 4.

Fehler 5: C4 kurzgeschlossen: Auswirkung wie Fehler 3. Der Gleichspannungsanteil am Eingang ist kurzgeschlossen, die Ausgangsspannung (Messpunkt 4) steigt an auf 1,25 V, das Messgerät zeigt Stufe 8.

Fehler 6: C5 kurzgeschlossen: Am Ausgang (Messpunkt 4) liegt 0 V, der Transistor ist gesperrt, das eingebaute Messgerät zeigt Null.

 Fehler 7: Basis gegen Emitter des Transistors kurzgeschlossen: Kein Strom in der Endstufe, das Messgerät zeigt Null.

 Fehler 8: Basis gegen Kollektor kurzgeschlossen: Es fließt Strom in der Endstufe, aber die Verstärkung ist Null (Stille). Das Messgerät zeigt Stufe 6.

 Fehler 9: C2 kurzgeschlossen: Die Betriebsspannung der Eingangsstufe ist Null, es fließt auch kein Strom in der Endstufe. Das Messgerät zeigt Null.

 Fehler 10: C1 kurzgeschlossen: Der Lautsprecherstrom steigt an. Beim Einschalten hört man ein lautes Knacken. Das Messgerät zeigt Stufe 10.

 Fehler 11: Unterbrechung am Widerstand R4, 100 kOhm (kalte Lötstelle) oder am Pin 2 des TA7642: Der Empfänger bleibt stumm, das Messgerät zeigt Stufe 8.

 Fehler 12: Unterbrechung bei R1 oder R2: Keine Betriebsspannung, Messgerät zeigt Null. Stille.

 Fehler 13: Unterbrechung an Pin1 oder Pin3 des TA7642: Stille, die Spannung am Punkt 4 steigt auf ca. 1,5 V, das Messgerät zeigt Stufe 9.

 Fehler 14: Anschlüsse am Messgerät vertauscht: Das Messgerät schlägt nach links aus.

 Fehler 15: Anschlüsse am Lautstärkeregler vertauscht. Empfang ist immer sehr leise oder wird bei Rechtsdrehung leiser.

 Fehler 16: Unterbrechung bei C3: Die leiseste Stellung am Lautstärkeregler ist noch relativ laut.

 Fehler 17: Kurschluss an C3: Bei mittlerer Lautstärkeeinstellung zeigt das Messgerät schon Null, man hört nichts mehr.

 Fehler 18: Batteriekabel (rot, schwarz) vertauscht. Stille, das Messgerät schlägt schwach nach links aus.

 Fehler 19: Anschlussfahnen des Drehkos nicht gut verbunden: Sender kann nicht abgestimmt werden, aber man hört ein leises Rauschen.

 Fehler 20: Spulenanschlüsse vertauscht: Lautes Pfeifen und stark verzerrter Empfang.

Allgemein ist die Fehlersuche (nicht nur beim Retroradio) immer spannend und stellt hohe Anforderungen. Man ist mit allen Sinnen dabei. Augen und Ohren sowieso, aber auch der Tastsinn spielt eine große Rolle (irgendwas locker?) oder sogar die Nase, nämlich dann wenn ein Bauteil heiß wird oder heiß war bzw. durchgebrannt ist. Wer beruflich mit solchen Dingen zu tun hat, wird vielleicht sogar Messgeräte wie Wärmebildkameras einsetzen, die man auch bequem im Online Shop bestellen kann. Ansonsten alles was in Reichweite ist, außer Multimetern vor allem ein Oszilloskop oder sogar einen HF-Generator. Und auch ein ganz normales Radio kann im Elektronik-Labor hilfreich sein, wenn es einfach nur nebenbei mitläuft. So bekommt man Dinge mit, für die uns die Sinne fehlen, z.B. Impulsstörungen oder wilde Schwingungen, die in einer Schaltung entstehen. 


Frage: Beim 1. Einschalten blieb das Radio still und der Zeiger im Messgerät ging auf Mittelstellung. Anschließend habe ich festgestellt, dass bei einer Lautstärke von ca. 3 deutlich hörbarer Empfang eintrat. Stellte ich nun die Lautstärke auf
Maximal, war der Empfang viel leiser. Wenn ich einschalte, geht der Zeiger im Messgerät langsam höher und
scheint bei "5" einzurasten. Dann ist aber auch der Empfang sehr leise. Bleibe ich bei 75% der Lautstärke ist der Empfang in maximaler Lautstärke. Der Zeiger bewegt sich dann nur sehr wenig (in beliebiger Dreko-Stellung). Hier ein Foto der Platine:

 

Platine

Anwort: Die Platine sieht gut aus! Keine Lötbrücke und keine kalte Lötstelle erkennbar...

 Fehler gefunden: Nur der Transistor war falsch herum eingebaut. Das Radio läuft jetzt in Zimmerlautstärke!

 


Frage: ich habe das Retro-Radio geschenkt bekommen und jetzt zusammengebaut, aber, wenn ich es einschalte, passiert einfach nichts. Ich habe die beiden Messungen durchgeführt und habe folgende Ergebnisse:

 Messung 1:
1: 0,68V, 2: 0,68V, 3: 1,54V, 4: 0,76V, 5: 0,76V, 6: 0,03V, 7: 0,03V, 8: 1,65V, 9: 1,65V, 10: 1,65V

 Messung 2:
1: 1,16V, 2: 1,16V, 3: 1,61V, 4: 1,30V, 5: 0,62V, 6: 0V, 7: 0V, 8: 1,65V, 9: 1,65V, 10: 1,65V

 Als Anhang sende ich noch 2 Bilder von meinem Aufbau mit:

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Antwort: Die Bestückung sieht gut aus. Die Messwerte legen nahe, dass der Kollektor nicht verbunden ist. Und das Foto der Lötseite weist ebenfalls darauf hin:

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Erfolgsmeldung: Vielen Dank für ihren Tipp. Ich habe den Transistor noch einmal neu angelötet und das Radio funktioniert jetzt einwandfrei.



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