Ein defekter Fahrrad-Tacho wollte untersucht werden. An den Speichen
gibt es einen Magneten, der in einem kleinen Sender Impulse auslöst.
Der Empfänger am Lenker wertet sie aus und berechnet daraus die
angezeigte Geschwindigkeit. Ein Test hat gezeigt, dass der Reedschalter
defekt war und den Kontakt bei Annäherung eines Magneten nicht mehr
schließen konnte. Für weitere Tests habe ich einen Drahtkontakt
angelötet. Mit schneller Betätigung konnte ich am Empfänger eine
Anzeige bis 40 km/h erzeugen.
Beim Versuch, die Schaltung zu verstehen, ist mir eine Schottky-Diode
in Reihe zum Endstufen-Transistor aufgefallen. So etwas hatte ich
bisher noch nie gesehen. Und erst die Messung mit dem Oszilloskop
machte klar, wozu die Diode gebraucht wurde. Am Schwingkreis fand sich
nämlich eine erstaunliche große Schwingung bis 100 Vss, und das bei
einer Batteriespannung von nur 3 V. Dass der Kollektor +50 V sperren
kann ist klar. Aber -50 V könnte er nicht, weil die
Kollektor-Basis-Diode dann leitet. Aber mit der Diode geht das. Das
Oszillogramm zeigt noch eine Besonderheit. Es entsteht immer eine volle
Schwingung, und danach eine Pause. Wie ist das möglich? Ich habe lange
darüber nachgedacht, aber erst eine Zweikanalmessung zeigt, was da
passiert.
Der Transistor wird mit der halben Resonanzfrequenz des Schwingkreises
angesteuert! Jeder Impuls schaltet den Transistor ein und legt die
Spule an die Betriebsspannung. Damit wird magnetische Energie
geladen. Mit dem Ende des Impulses bildet sich daraus die
positive Halbwelle bis +50 V. Während die Schwingung in den negativen
Bereich geht, ist die Diode gesperrt. Beim nächsten Übergang in den
positiven Bereich ist aber schon wieder ein Ladeimpuls aktiv. Er stoppt
die Schwingung komplett und lädt neue Energie in den Kreis. Weil noch
Energie von der letzten Schwingung übrig geblieben ist, steigt die
Amplitude anfangs stetig an. Hut ab, hier wird keine Energie
verschwendet.
Beide Kanäle sind zwar auf 2V/div eingestellt, aber an Ch2 war die
Messspitze auf 1:10 eingestellt, sodass man tatsächlich 20 V/div sieht.
In einer höheren Ablenkgeschwindigkeit erkennt man die Schaltzeiten des
Transistors. Beim Einschalten gibt es eine Verzögerung von 600 ns, bei
Ausschalten sind es sogar ca. 800 ns, weil der Transistor vorher voll
in die Sättigung getrieben wurde.
Das Rechtecksignal vom Controller hat eine Frequenz von ca. 60 kHz, die
Resonanzfrequenz liegt bei 120 kHz. Eine volle Schwingung passt also
jeweils genau in die Low-Phase der Ansteuerung, also in die Zeit, in
der der Transistor gesperrt ist. Ich vermute, der Empfänger enthält
ebenfalls einen Schwingkreis auf 120 kHz. Dass jede zweite Schwingung
fehlt, stört nicht weiter. Es wird trotzdem ein Signal mit 120 kHz
empfangen.
Übrigens, vor 25 Jahren wurde die gleiche Aufgabe ganz anders gelöst:
https://www.b-kainka.de/bastel55.htm