Gestern Abend habe ich mal wieder ausgiebig Mittelwelle gehört. Mit dem Retro-Radio waren mehr als dreißig Sender klar zu empfangen. Die Station ganz unten ist Beromünster auf 531 kHz (gestern Abend kam Alpenmusik). Ganz oben höre ich den lokalen DRM-Sender Langenberg auf 1593 kHz. Darüber liegt noch Radio Vatikan auf 1611 kHz, der aber nur zeitweise sendet und bei mir nur schwach ankommt. Nicht zu verfehlen ist auch BBC auf 648 kHz, da habe ich mir die Nachrichten angehört. Und dann habe ich mein Siemens-Röhrenradio eingeschaltet, das auf Mittelwelle unschlagbar ist. Der Vergleich hat gezeigt: Fast alles was das große Radio klar empfängt kommt auch beim Retro-Radio gut an. Nur die Trennschärfe ist beim Röhrensuper viel besser, wenn also ein schwacher Sender direkt neben einem starken Sender gehört werden soll, ist das große Radio im Vorteil.
Ausbreitung der Funkwellen
Prinzipiell können Funkwellen über die Bodenwelle oder die Raumwelle den Empfänger erreichen. Die Bodenwelle reicht oft wegen der Krümmung der Erdoberfläche nur etwa 100 km weit. Auf Langwelle und im unteren Mittelwellenbereich wird die Bodenwelle gekrümmt, sodass auch Stationen hinter dem Horizont zu hören sind. Die Raumwelle wird an ionisierten Schichten der Lufthülle reflektiert und kann daher große Entfernungen überbrücken, was vor allem auf Kurzwelle eine wichtige Rolle spielt. Auf Mittelwelle kommt es am Tage zu einer starken Dämpfung der Raumwelle, sodass fast nur die Bodenwelle mit ihrer geringeren Reichweite zu empfangen ist. Nach Sonnenuntergang nimmt diese Dämpfung schnell ab, sodass die Reichweite auch auf Mittelwelle stark ansteigt.
Bild aus: Radio-Baubuch
Feldstärkeschwankungen
Oft
schwankt die Empfangsfeldstärke, Sender kommen und gehen. Dieses
?Fading" entsteht meist durch Doppelempfang. Das Signal erreicht den
Empfänger dann auf zwei Wegen, einmal direkt über die Bodenwelle und
einmal reflektiert über die Raumwelle. Dabei entstehen
Phasenunterschiede, die dazu führen, dass sich das Signal entweder
verstärkt oder abschwächt. So kann es dazu kommen, dass eine ferne
Station auch von außerhalb Europas plötzlich sehr laut erscheint und
danach wieder
Interessante europäische Stationen
Hören
Sie interessante Stationen, wie z.B. Radio China International, das vom
Sender von Radio Luxemburg am Abend ausgestrahlt wird. Oder verfolgen
Sie das Programm des britischen Privatsenders Virgin Radio auf 1215 kHz.
BBC auf 648 kHz ist zu empfehlen, wenn Sie Ihre Englisch-Kenntnisse
auffrischen wollen. Diese Station ist auch am Tage gut zu hören.
Allgemein reichen Stationen im Bereich unter 1 MHz auch am Tage relativ
weit, ähnlich wie es auf Langwelle zu beobachten ist.
Versuchen Sie einmal aufzulisten, wie viele Sprachen Sie hören können. Vielleicht erkennen Sie englische, französische und italienische Sender sofort. Spannend wird es bei Sprachen, die nicht so leicht zu erkennen sind. Hören Sie auch einmal längere Zeit zu, wenn Sie eigentlich nichts verstehen. Wahrscheinlich bekommen Sie trotzdem bald heraus, in welchem Land diese Station beheimatet ist. Z.B. wird in den Nachrichten die jeweilige Hauptstadt besonders häufig vorkommen.
Echos auf Mittelwelle
Manchmal
hören Sie Stationen (z.B. aus England) mit einem deutlichen Echo. Das
liegt daran, dass mehrere Sender für die lokale Versorgung mit dem
gleichen Programm auf der gleichen Frequenz senden. Das Echo entsteht
aber nicht durch die unterschiedlich langen Ausbreitungswege, sondern
durch die Modulation. Das Programm erreicht die einzelnen Stationen z.B.
über Satelliten oder digitale Leitungen. Dabei kommt es zu gewissen
Verzögerungen. Im Zielgebiet hört man meist nur den näheren Sender von
beiden. Aber in größerer Entfernung erscheinen beide Sender gleich
stark. Deshalb können Sie ein Echo hören.
Gleichfrequenz-Sender
Der
Kanalabstand auf Mittelwelle beträgt 9 kHz. Zwischen 531 kHz (Sender
Beromünster in der Schweiz) und 1611 kHz (Radio Vatican) passen gerade
121 Sender, es gibt aber in Europa wesentlich mehr Stationen. Deshalb
müssen sich einige Sender eine Frequenz teilen. Sie haben dann einen
großen Abstand, sodass im jeweiligen Nahbereich nur geringe Störungen
auftreten. Im Fernbereich finden Sie jedoch sehr oft zwei Sender auf der
gleichen Frequenz. Oft hören Sie wegen des starken Fadings mal die eine
und dann die andere Station deutlich. In vielen Fällen können Sie aber
durch Drehen Ihres Radios einen der Sender völlig ausblenden, sodass Sie
die andere Station deutlicher hören können.
Aufwärts-Modulation
Allgemein
verwendet man auf Mittelwelle die Amplitudenmodulation, d.h. die
Sendestärke wird im Takt der übertragenen Schallinformation verändert.
Ein 100-kW-Sender strahlt auch in den Modulationspausen diese Leistung
ab. Es gibt aber viele moderne Sender, die die Trägerleistung in
Modulationspausen stark reduzieren um Energie zu sparen. Das ist z.B.
beim Deutschlandfunk auf 549 kHz der Fall, nicht aber beim WDR-Sender
Langenberg auf 720 kHz. Mit Ihrem Radio können Sie die beiden
Modulationsverfahren deutlich unterscheiden. Der aufwärts modulierte
Sender zeigt starke schwankende Zeigerausschläge, beim klassischen
AM-Verfahren bleibt der Zeiger ruhig stehen.
Digitaler Rundfunk DRM
Auf
einigen Frequenzen werden Sie ein lautes Rauschen hören. Was sich wie
zufällige Funkstörungen anhört, sind tatsächlich hoch moderne digitale
Mittelwellensender nach dem DRM-Standard.
Je nach Tageszeit sendet z.B. RTL auf 1440 kHz oder BBC auf 1296 kHz im
DRM-Verfahren. Leider können Sie DRM-Sender mit diesem einfachen Radio
nicht wirklich hören. Man benötigt dazu einen speziellen DRM-Empfänger
oder einen passenden Empfangsvorsatz für den PC und ein passendes
Programm. Die übertragene Qualität entspricht fast der auf UKW.
Teilweise wird auch in Stereo gesendet. Zusätzlich können Texte und
Bilder gesendet werden. DRM-Sender auf Mittelwelle und Kurzwelle sind
schon seit einigen Jahren in Betrieb, konnten sich aber bisher noch
nicht allgemein durchsetzen. Hier bietet sich aber ein interessantes
Betätigungsfeld für den in engagierten Radio-Amateur.
AM-Stereo
Aber
auch mit AM-Sendern wird in Stereo gesendet! In den USA ist AM-Stereo
relativ weit verbreitet. In Europa ist es sehr selten. Eine starke
Stereo-Station ist France Bleu auf 864 kHz. Am Abend ist dieser Sender
in vielen Regionen Europas gut zu hören. Meist wird Musik und
Unterhaltung gesendet. Für AM-Stereo gibt es spezielle Radios. Sie
können aber auch mit weniger Aufwand Stereo hören. Dazu benötigen Sie
zwei Radios, am besten zwei Geradeausempfänger von der Art dieses
Nostalgie-Radios. Stellen sie zunächst beide auf die genaue Frequenz
ein. Verstimmen sie dann eines der Radios etwas nach unten, das andere
etwas nach oben. Stellen sie dann beide Radis passend rechts und links
auf. Nun hören Sie deutlich Stereo.