Labortagebuch März 2026

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11.3.26: Bleifreies Lötzinn



Meinen Bruder hat seine Arbeit in ein fernes Land geführt. Und da hat er in einem Kaufhaus Lötzinn erstanden. Es stammt aus China und ist nicht EU-konform beschriftet. Die Frage war nun: bleifrei oder nicht. Einen ersten Eindruck vermittelt die Härte, bleifreies Lötzinn ist härter. Wenn man Material für einen Vergleich hat, sieht man auch einen leichten Unterschied in der Farbe. Verbleites Lötzinn erscheint etwas gelblicher. Zum Test habe ich kleine Lötzinntropfen erzeugt. Da wurde klar, dieses Lötzinn ist bleifrei.



Mit 40% Blei bekommt man Kügelchen mit sehr glatter Oberfläche. Bleifreies Zinn formt zumindest bei gleicher Temperatur nicht so leicht ein Kügelchen, und die Oberfläche wirkt rauer. Weil ich die gleiche Lötspitze verwendet habe, zeigt die mittlere Kugel eine zufällige Mischung beider Sorten.

Ein Kollege berichtete mir, dass manche Leute verbleites Lötzinn zu Hilfe nehmen, um Bauteile auszulöten, die bleifrei eingebaut wurden. Tatsächlich ist das Ausbauen mit bleifreiem Lötzinn sehr viel schwieriger. Etwas Blei wirkt Wunder, ist allerdings nicht die feine Art. Und wenn dann ein neues Bauteil eingelötet wird, hat man eine undefinierte Legierung, die zu sehr rauen Oberflächen führt, verbunden mit der Gefahr unzuverlässiger Verbindungen.

Nachtrag: wohl doch verbleit,  von Michael Moske

Da ich gerne mal im Internet recherchiere habe ich zu der Lötzinnrolle was gefunden. Die Übersetzung aus dem Chinesischen ergab zunächst keine weiteren Informationen, außer "Huabang" ( 华邦 ), "Aktiver Lötdraht" ( 活性焊锡丝 ) und "Technologie gewährleistet gleichbleibende Qualität" ( 科技恒定品质 ). Aber die Typenbezeichnung GP/T 3131 hat etwas gebracht, https://www.chinesestandard.net/PDF/English.aspx/GBT3131-2020 Demnach könnte das Rätsel gelöst sein, denn es ist wohl ein Blei-Zinn-Lot mit möglicherweise noch etwas anderen Beimischungen.

Mir kam noch in den Sinn, dass die unterschiedlichen Lote doch auch verschiedene Schmelzpinkte haben. Wenn du also einen Lötkolben mit Temperaturregler bzw. Temperaturanzeige hast, dann könntest du das nochmals überprüfen. Lote sind im allgemeinen ein Eutektikum mit einem für die reinen Metalle erniedrigten Schmelzpunkt. Blei-Zinn-Lote (ca. 37% Pb Anteil) schmelzen bei 183° C, mit weiteren Zusätzen sogar darunter. Hingegen schmelzen bleifreie Zinn-Lote mit einigen wenigen % Zulegierung typischerweise erst ab ca. 220°C. Eine Liste findest du bei Wikipedia auf der Seite unten unter "Zinnlote"  =>  https://de.wikipedia.org/wiki/Lot_(Metall)  . Flüssiges Blei reagiert auch sehr stark mit Gold und "saugt " es auf. An einer dünnen Goldfolie oder an Goldkontakten kann man das testen.

Antwort (BK): Der Schmelzpunkt lag tatsächlich näher bei 183° C als bei 220° C. Damit ist eindeutig klar, dass ich mich geirrt hatte. Es handelt sich in der Tat um verbleites Lötzinn!







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